PVC-Recycling in Deutschland

Seit über 50 Jahren hat sich der Kunststoff PVC mehr als erfolgreich auf der ganzen Welt durchgesetzt. Der vielseitige Werkstoff gehört heute zu den wichtigsten Kunststoffen, ist international anerkannt und am Markt erprobt. Gebrauchte PVC-Produkte sind zum Wegwerfen viel zu schade. Um wertvolle Ressourcen zu schonen, hat die PVC-Branche deshalb die Wiederverwertung der wichtigsten PVC-Produkte organisiert und setzt sich hier auch für die Zukunft ehrgeizige Ziele.

Steigende Verwertungenquoten

Die AGPU und andere Verbände beauftragen die Consultic Marketing und Industrieberatung GmbH in regelmäßigen Abständen mit der Erhebung abfallrelevanter Zahlen für PVC in Deutschland. Im Jahr 2013 lag die PVC-Abfallmenge bei 647.300 Tonnen (563.000 Tonnen in 2007). Das entspricht 1-2 Prozent des gesamten Abfallaufkommens. Der Anteil an Nachgebrauchs-Abfällen („post-consumer“) in dieser Menge lag bei ca. 520.300 Tonnen (403.000 Tonnen in 2007). Davon wurden ca. 140.000 Tonnen (77.000 Tonnen in 2007) werkstofflich und rohstofflich recycelt. Nimmt man die Produktionsabfälle („postindustrial“) dazu, so erhöht sich die stofflich verwertete Menge auf insgesamt ca. 243.000 Tonnen (221.000 Tonnen in 2007). Tatsächlich liegt die verwertete Menge aber noch höher, denn nicht von der Statistik erfasst ist das so genannte „In-House Recycling“. Dabei werden die an der Verarbeitungsmaschine anfallenden Produktionsabfälle zerkleinert und anschließend sofort wiederverwertet.

Bezogen auf die Gesamtabfallmenge („post-consumer“ und „post-industrial“) liegt die stoffliche Verwertungsquote bei ca. 37 %. Weitere PVC-Abfälle werden heute nach dem Stand der Technik – hauptsächlich in Müllverbrennungsanlagen – energetisch verwertet. Da PVC einen ähnlichen Heizwert wie Braunkohle hat (ca. 19 MJ/kg), trägt der Werkstoff positiv zur Energiebilanz bei der Verbrennung von Hausmüll (ca.11 MJ/kg) bei.

Werkstoffliche Verwertung

Werkstoffliches Recycling ist in der PVC-Produktion und -Verarbeitung schon seit vielen Jahrzehnten üblich. Der größte Teil von sortenreinen Abfällen gelangt direkt in die Produktion zurück. Für die Wiederverwertung der post-consumer-Abfälle („Nachgebrauchs-Abfälle“) hat die PVC-Branche seit Anfang der 1990er Jahre eine Reihe von Initiativen entwickelt, die fest im Markt etabliert sind.

In der Abfallwirtschaft sind PVC-Bauprodukte mengenmäßig am bedeutendsten. Um diese Abfälle kümmern sich in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling (AgPR) und RoofCollect – die Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft für PVC-Dachbahnen Recycling (AfDR). Für Fenster hat die Rewindo Fenster-Recycling-Service GmbH mit ihren Recyclingpartnern ein flächendeckendes Rücknahmesystem eingerichtet. PVC-beschichtete Planen werden über die Initiative EPCOAT verwertet. Seit Anfang 2005 bilden die Rohr-Recycling in Westeregeln – ein Tochterunternehmen der Tönsmeier-Gruppe – und der Kunststoffrohrverband (KRV) eine Allianz, um die Verwertungsmengen zu steigern. Diese Initiative nimmt PVC-Rohre bundesweit zurück und sorgt für die Verwertung der Altprodukte. Die PVC-Branche in Deutschland kooperiert darüber hinaus mit der von VinylPlus (ehem. Vinyl 2010) gegründeten europäischen Initiative Recovinyl.

In Österreich organisieren die Brancheninitiativen ÖAKF (Österreichischer Arbeitskreis Kunststoff-Fenster) und ÖAKR (Österreichischer Arbeitskreis Kunststoff-Rohre) den Rücklauf und die Verwertung von Alt-PVC. Die so gesammelten Mengen werden größtenteils von der Reststofftechnik GmbH in Salzburg verarbeitet. Das von Solvay entwickelte Lösemittelverfahren VINYLOOP® ermöglicht außerdem, bisher schwer behandelbare Verbundmaterialien zu verwerten (z.B. PVC/Kupfer aus Kabelresten oder PVC/Polyester von alten Planen). Die innovative VINYLOOP®-Technologie ging Anfang 2002 nach Fertigstellung einer 10 Kilotonnen-Anlage im italienischen Ferrara an den Start.

Auch für Verpackungen, Kabel, Kreditkarten und gemischte PVC-Abfälle gibt es Recyclingangebote. Diese und eine Vielzahl von Recyclingprodukten sind im PVC-Recycling-Finder aufgelistet. Mit ihren zukunftsfähigen Rücknahme- und Verwertungssystemen für ihre Altprodukte leistet die PVC-Branche einen großen Beitrag zur Ressourceneffizienz und zum nachhaltigen Wirtschaften.

Rohstoffliche Verwertung

Durch thermische Behandlung von PVC-Produkten lässt sich Chlorwasserstoff in reiner Form gewinnen. Dabei wird der Kohlenwasserstoff-Anteil im PVC im gleichen Prozess zur Wärme beziehungsweise Stromgewinnung genutzt. Der Chlorwasserstoff fließt dann wieder in die PVC-Produktion zurück. Diese rohstofflichen Verfahren unterteilen sich in Prozesse mit und ohne Chlorlimitierung. Dabei eignet sich das Verwertungsverfahren ohne Chlorlimitierung vor allem für verschmutzte und PVC-reiche Kunststoffmisch-Fraktionen. Die PVC-Branche untersucht bereits seit 1992 geeignete Technologien zur rohstofflichen Verwertung PVC-reicher Abfallströme.

Die Drehrohrofen-Verwertungsanlage bei DOW in Schkopau ist technisch geeignet für PVC-reiche Abfallströme als rohstoffliches Verfahren. In der Ende 1999 in Betrieb genommenen Anlage können unter anderem PVC-Abfälle in fester und flüssiger Form verwertet werden. Durch die thermische Behandlung der Abfälle spaltet sich unter Ausnutzung der freiwerdenden Energie Chlorwasserstoff ab. Noch am Standort zu Salzsäure verarbeitet, kann diese wieder als Rohstoff für die PVC-Herstellung eingesetzt werden.

Bei der Calciumcarbidproduktion der Alzchem Trostberg GmbH in Hart an der Alz können heizwertreiche Kunststofffraktionen mit Chlorgehalten bis zu 10 Prozent eingesetzt werden. Diese Abfälle dienen der Erhöhung der Menge und des Heizwertes des entstehenden Carbidofengases. Ecoloop, ein Tochterunternehmen der Fels-Werke GmbH, ermöglicht mit einer neuen Technologie die energieeffiziente Umwandlung organischer oder kohlenstoffreicher Materialien wie z.B. Altholz oder Kunststoff in gereinigtes Synthesegas als Energieträger. Dabei können auch Rohstoffe mit einem Chlorgehalt von bis zu zehn Prozent verwendet werden.